Was steckt in einem Produkt? Woher kommen seine Bestandteile? Wie energieeffizient ist es, wie lässt es sich reparieren und was geschieht damit am Ende seines Lebenszyklus? Antworten auf solche Fragen sollen künftig digital verfügbar sein; gebündelt im Digitalen Produktpass, kurz DPP.
Was ist der Digitale Produktpass?
Der Digitale Produktpass ist ein zentrales Instrument der EU für mehr Transparenz über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Je nach Produktgruppe kann er unter anderem Informationen zu Materialien und Inhaltsstoffen, Energieeffizienz, Reparaturmöglichkeiten, Ersatzteilen, Software-Aktualisierungen sowie Demontage, Recycling und Entsorgung enthalten. Diese Informationen werden digital mit dem jeweiligen Produkt verknüpft und können unterschiedlichen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette zugänglich gemacht werden.
Die rechtliche Grundlage bildet die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR), Verordnung (EU) 2024/1781. Welche Anforderungen konkret gelten, wird schrittweise für einzelne Produktgruppen festgelegt. Den Anfang machen bestimmte Batterien: Ab dem 18. Februar 2027 wird für Elektrofahrzeugbatterien, Batterien für leichte Verkehrsmittel sowie Industriebatterien mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh ein Batteriepass Pflicht.
Auch Schweizer Unternehmen sind betroffen
Die ESPR gilt in der Schweiz nicht automatisch. Entwarnung bedeutet das für Schweizer Unternehmen jedoch nicht. Wer Produkte in die EU exportiert, dort in Verkehr bringt oder Komponenten an EU-Kunden liefert, kann direkt oder indirekt von den neuen Anforderungen betroffen sein. Gerade für Zulieferer wird das relevant: Damit ihre Kunden einen vollständigen Digitalen Produktpass erstellen können, benötigen sie Informationen zu Materialien, Komponenten und weiteren Produkteigenschaften aus der vorgelagerten Lieferkette. Der DPP wird damit zunehmend zu einer gemeinsamen Datenaufgabe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch in der Schweiz bewegt sich die Gesetzgebung: Aktuell läuft eine Teilrevision des Bundesgesetzes über die technischen Handelshemmnisse (THG). Sie soll unter anderem die rechtliche Grundlage schaffen, damit künftig auch in der Schweiz ein Digitaler Produktpass eingeführt werden kann.
Warum Elektrohersteller besonders hinschauen sollten
Für Hersteller elektrischer und elektronischer Produkte ist das Thema besonders relevant. Ihre Produkte bestehen häufig aus zahlreichen Komponenten, enthalten teilweise regulierte Stoffe und bleiben über viele Jahre im Einsatz. Gleichzeitig spielen Sicherheit, Energieeffizienz, Wartung, Ersatzteile und Recycling eine wichtige Rolle. Entsprechend umfangreich können die Daten sein, die künftig strukturiert erfasst, aktuell gehalten und digital bereitgestellt werden müssen. Hinzu kommt: Energiebezogene Produkte gehören zu den Produktgruppen, für welche die EU in den kommenden Jahren weitere Anforderungen im Rahmen der ESPR plant.
Für Elektrohersteller geht es deshalb nicht nur darum, irgendwann einen QR-Code auf einem Produkt anzubringen. Entscheidend ist die Datenbasis dahinter: Sind die relevanten Produktinformationen vorhanden? Wo liegen sie? Sind sie vollständig, eindeutig und aktuell? Und können sie über verschiedene Systeme und Abteilungen hinweg zuverlässig zusammengeführt werden?
Der DPP beginnt bei den Daten
Genau hier liegt für viele Unternehmen die eigentliche Herausforderung: Produktinformationen sind heute oft auf unterschiedliche Systeme, Dokumente und Abteilungen verteilt. Ein Teil liegt in ERP- oder PIM-Systemen, anderes in technischen Dokumentationen, bei Lieferanten oder in einzelnen Dateien. Für den Digitalen Produktpass müssen diese Informationen künftig strukturiert zusammengeführt und verlässlich verfügbar gemacht werden. Wer sich erst damit beschäftigt, wenn die konkrete Pflicht für die eigene Produktgruppe vor der Tür steht, riskiert hohen Zeitdruck und aufwendige Nacharbeiten. Wer dagegen früh beginnt, kann bestehende Datenbestände prüfen, Lücken erkennen und Prozesse Schritt für Schritt anpassen.
Stellen Sie sich daher heute schon diese Fragen und bereiten Sie sich rechtzeitig darauf vor:
Welche unserer Produkte könnten künftig DPP-pflichtig werden?
So wird aus einer kommenden regulatorischen Pflicht ein planbares Projekt.
Fazit
Der Digitale Produktpass bringt neue Anforderungen, bietet aber auch Chancen: Besser strukturierte Produktdaten können Prozesse vereinfachen, Service und Wartung unterstützen und neue digitale Geschäftsmodelle ermöglichen.
Sie möchten wissen, was der Digitale Produktpass für Ihr Unternehmen bedeutet und wie Sie Ihre Produktdaten darauf vorbereiten können? Das Teconia-Team unterstützt Sie gerne dabei, die Anforderungen einzuordnen und eine passende Lösung für Ihre Daten und Systeme zu entwickeln.
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